

Die App Economy wird größer als die Web Economy. In den zehn Jahren von 1997-2007 erlebte das Web einen rasanten Aufstieg – hauptsächlich ausgelöst durch elektronischen Handel. Das mit dem iPhone 2007 auf den Markt gekommene Smartphone legt den Grundstein für die nächste große Entwicklung: die auf Apps basierende Mobilfunkindustrie wird das Web an Reichweite und Gesamtumsatz binnen weniger Jahre übertreffen.
Den Anfang des Web markierte der Browser. Mit dem Erscheinen von Mosaic Netscape, später Netscape Navigator, wurde das World Wide Web für den Nicht-Techniker bedienbar. Der Browser legte den Grundstein für den ersten Hype der Web Economy – den eCommerce. Amazon und Ebay waren (und zumindest Amazon ist es heute noch) die tonangebenden Unternehmen für den elektronischen Handel. Im Jahr 2001 war dann die Party vorbei – zahlreiche überbewertete Internet-Unternehmen gingen pleite, die Katerstimmung sollte zwei Jahre dauern.
Segensreiche Wirkung hatte im Jahr 2003 die “Erfindung” des Web 2.0, des Mitmach-Webs. Von nun an war das Web keine Einbahnstraße mehr für große Produzenten von Inhalten und Verkäufern von Waren, sondern jeder konnte sich beteiligen: sei es durch das Publizieren eigener Inhalte in Blogs (z.B. Blogger, WordPress, Digg, etc.) oder durch das Angebot handgemachter Produkte auf Do-it-yourself-Börsen (z.B. Etsy). Aufgrund der raschen und starken Akzeptanz Sozialer Netzwerke (Facebook, LinkedIn, etc.) sprach man ab 2008 nicht mehr vom Web 2.0 sondern vom Social Web: die Beziehungen zu Freunden und Freundeskreisen gerieten in den Mittelpunkt des Interesses. Der Social Graph und seine Auswirkungen auf Kommunikation und Kommerz sind das beherrschende Thema der Web Economy im Jahr 2011.
Parallel zur Internet- und Computerindustrie entwickelte sich – jahrelang nahezu unbemerkt – die Mobil-Industrie: Das 1992 vorgestellte erste GSM-fähige Mobiltelefon war als Gerät so unhandlich und fehlerbehaftet, dass es selbst von denjenigen, die sich die exorbitanten Verbindungspreise leisten konnten, nicht nur geliebt wurde. Während Mobiltelefonierer in Japan bereits im Jahr 1999 mit ihren Geräten auch fotografieren konnten, hielt dieses Zusatzfeature in Europa erst ab 2002 Einzug. Nachdem die Übertragungstechnologie UMTS ab 2004 verfügbar wurde, wurden neben dem Blackberry, der hauptsächlich für email-Kommunikation genutzt wurde, auch andere Mobiltelefone verstärkt für den nicht-sprachlichen Datentransfer eingesetzt.
Wachstum mobilen Datenverkehrs, Quelle: SIZING UP THE GLOBAL MOBILE APPS MARKET
Branchenvertreter der Mobilfunkindustrie beklagten jahrelang die mangelnde Akzeptanz des sogenannten mCommerce – Handel von Waren über Mobiltelefone – sowie des mobilen Marketings. Die Verbraucher wollten ihre Mobiltelefone einfach nicht zum Kaufen einsetzen und schon gar nicht Werbung auf die Mini-Displays erhalten. Die Mobilfunkindustrie bestand hauptsächlich aus Ingenieuren, die bestimmte technische Features der Handys hervorhoben, von Anmutung, Design und ansprechender Bedienbarkeit jedoch nicht allzuviel hielten und diese Aspekte dementsprechend vernachlässigten.
Im Jahr 2007 änderte sich alles: Apple bringt (das) iPhone, das nach Unternehmensduktus ohne bestimmten Artikel auszusprechende erste Smartphone der Welt. Im ersten vollen Geschäftsjahr 2008 verkaufte Apple knapp 14 Millionen iPhones, im dritten Quartal des Jahres 2011 gehen vom iPhone 4 bereits über 20 Millionen Exemplare weltweit über die Ladentheke. Im Unterschied zu herkömmlichen Handys, die von nun an in der Fachsprache Feature Phones genannt werden (um den Begriff Dumb Phone zu vermeiden), können Smartphones weitaus mehr als telefonieren, Fotos schiessen und Musik abspielen. Smartphones – zumeist mit einem Touchscreen ausgestattet – werden über Apps bedient.
Absatz von Smartphones, Quelle: Asymco
Kleine Softwareprogramme, Applikationen – kurz: Apps – werden entweder über den Computer oder direkt vom Smartphone aus App Stores (Detailinformation zur Verwendung des Begriffs App Store) heruntergeladen und erscheinen in daumengroßen Icons auf dem Homescreen. Smartphones und Apps – in Verbindung mit deutlich gesunkenen Datentarifen und signifikant erhöhten Bandbreiten mit typischen 7,2 Mbit/s (HSDPA) – sorgen für die langersehnte Akzeptanz quer durch alle Bevölkerungsschichten: Smartphones sind deutlich teurer als Feature Phones und werden dennoch stark nachgefragt. Neben vielen kostenfreien gibt es auch hunderttausende Bezahl-Apps, für die Nutzer bereitwillig durchschnittlich 3,50 Euro ausgeben. Die App Economy ist geboren – und sie scheint gleichsam mit ihrer eigenen Profitabilität von Beginn an ein Problem der Web Economy zu lösen: Paid Content.
App-Downloads und Umsatz in Deutschland , Quelle: BITKOM
Während Verlage im Internet Reichweitenerfolge feiern konnten, gaben sie in punkto Umsatz (und gar Profit) eine klägliche Figur ab. Umso verblüffter registrierten sie Mobilfunknutzer, die ebenfalls jahrelang nichts über ihre Handys kauften, auf einmal beim fröhlichen Download kostenpflichter Apps. Noch erstaunlicher schien die Bereitschaft der Nutzer zu sein, sich nicht nur einzelne Tageszeitungen und Magazine als Apps herunterzuladen, sondern gar komplette Jahresabos abzuschliessen.
33% der Menschen laden Apps herunter, Quelle: NYT

Quelle: ARD/ZDF
Da diese Entwicklung weder vorhersehbar, noch glaubhaft als Dauerzustand zu akzeptieren war, ging man dazu über, Apps als Hype oder Zwischenlösung für eine anständige Nutzbarkeit des Web auf dem Smartphone anzusehen. Man empfahl Unternehmen mobile Websites, die als abgespeckt Lösungen ihrer Desktop-Eltern völlig ausreichend seien, um auch mobile Kunden zufriedenzustellen. Die auch in der App Economy nicht ausbleibenden schlechten Beispiele wurden zum Anlass genommen, das Ecosystem, das sich um Apps und Smartphones gebildet hatte, nicht wahrzunehmen. Die Gamingindustrie blickte noch lange auf die App Economy herab, bis ihr im Jahr 2012 (!) auffiel, dass bereits wesentlich mehr Menschen über iPhone, Android Phones und Co. ihre Spiele herunterluden und spielten, als dies über Spielekonsolen der Fall war. Weite Teile der Verlagsindustrie knauserten aufgrund ihrer bereits angespannten finanziellen Lage und der daraus resultierenden geringen Bereitschaft zum Eingehen von Risiken so stark mit Investitionen in die App Economy, dass ihnen von neuen schnellen innovativen Start-Ups die Butter vom Brot genommen und die Leser entführt wurden.
Monatliche Nutzer-Zuwächse mobiler Plattformen, Quelle: Asymco
Ein Hype ist gekennzeichnet durch eine singuläre Entwicklung, die sich rasch entfaltet, aber wenig Implikationen für die Industrien hat, die unmittelbar daneben angesiedelt sind. Die erst seit 2008 existierende App Economy hat binnen weniger Jahre ein Ecosystem geschaffen, das in weit über die Mobilfunkindustrie hinausgehenden Soft- und Hardwarebereichen hunderttausenden Menschen Arbeitsplätze sichert, neue Arbeitsplätze schafft und Geschäftsmodelle hervorbringt, die innerhalb der Mobilfunkindustrie in den letzten 15 Jahren nicht für möglich gehalten wurden.
Prognosen zu Wachstum und Marktanteilen mobiler Plattformen, Quelle: Asymco
Die Tatsache, dass ein Mensch sein Mobiltelefon seltener zuhause vergisst als seinen Haustürschlüssel, und dass Apps die erste Technologie darstellen, die dem Nutzer eine von ihm selbst beherrschbare einfache Technologie an die Hand (sic!) gibt, ist nicht zu gering zu bewerten:
Die App Economy wird größer als die Web Economy.
Wenn Sie mit Ihrem Unternehmen bisher gezögert und das Thema Apps für sich noch nicht entdeckt haben, sollten Sie umdenken. Ihre Kunden sind mobil. In Kürze wird jeder Ihrer Kunden ein Smartphone besitzen (US-Amerikaner kaufen sich alle 18 Monate neue Mobiltelefone) und es auch über Apps steuern. Bedenken Sie – ein Smartphone ist kein PC: die mobile Erfahrung ist eine gänzlich andere als das stationäre Surfen im Büro oder zuhause: Ein Mobiltelefon weiss, wo Sie sind, was sie tun und getan haben, es kennt Ihre Identität und womöglich sogar Ihre Einstellungen (die Sie über Social Media Kanäle geäussert haben).
In kurzer Zeit werden alle Bauteile aus heutigen Hightech Phones wie dem iPhone in jedem Mobiltelefon eingebaut sein: GPS, Kompass, Geschwindigkeitsmesser, hochauflösende Displays, etc.. Das Telefon wird wissen, ob Sie sich draussen oder in Räumen aufhalten, wer in Ihrer Nähe ist und sogar wie ihre derzeitige Umgebung aussieht! Über Apps können Sie exakt abfragen und wissen, was Ihre Kunden wünschen - in jedem Kontext. Und Sie können sie persönlich und individuell ansprechen. Fragen Sie sie – und dann entscheiden Sie über Ihre App Strategie!
Umsätze der größten App Stores, Quelle: IHS Screen Digest Research
Wie Flurry anschaulich zeigt, wird das Werbeinventar in Apps das entsprechende Inventar im gesamten Internet bereits Ende 2012 übersteigen. Mit anderen Worten: Werbeausgaben in der App Economy werden innerhalb von 3 Jahren höher sein als nach 15 Jahren Online-Werbung.
Quelle: Flurry
PS: Die aktuell geführte Diskussion über “App vs Web” bzw. “Native App vs Web App” ist irrelevant, wie bereits hier ausgeführt. Auf Basis der oben dargelegten Argumentation benötigen Sie den bestmöglichen Zugang zu Ihren Kunden – und daher werden Sie mittelfristig beides – das Web und Apps – einsetzen müssen.









[...] App Economy wird größer als die Web Economy, meint Michael Reuter von den Appadvisors. Er untermauert seine These in einem Fachbeitrag mit vielen Grafiken, die das enorme Wachstum des Mobile Webs und von App-Marktplätzen dokumentieren, und betont, dass Apps die erste Technologie darstellen, die dem Nutzer eine von ihm selbst beherrschbare einfache Technologie an die Hand gibt. appadvisors.de [...]
[...] ohne technische Kenntnisse über ein einfaches graphisches Menü Android Apps erstellt werden. App Economy vs. Web Economy (AppAdvisors) Von einigen immer noch als Hype abgetan, hat sich die App Economy binnen weniger Jahre zu einem [...]
[...] Reuter: Die App Economy steht ganz am Anfang (siehe: http://www.appadvisors.de/2011/08/10/app-economy-vs-web-economy/): unserer Meinung nach schafft das Ecosystem Apps die “Demokratisierung” von Software: [...]
[...] letztgenannte Ansicht vertreten auch wir: Kein Unternehmen muss eine grundsätzliche Entscheidung für oder gegen Apps bzw. das mobile Web [...]