iOS, Android, WP7, Symbian, webOS, Bada – für welche der mobilen Plattformen sollen wir unsere App erstellen lassen? Oder – brauchen wir gar keine native App sondern sollten eher eine Web App oder sogar eine optimierte mobile Website erstellen? Diese Frage stellt sich vielen Unternehmen zu Beginn der Beschäftigung mit dem Thema App. Sie ist einfach zu beantworten – allerdings hängt die Antwort von den gegebenen individuellen Rahmenbedingungen ab und ist daher nicht pauschal sondern nur je Einsatzgebiet zu geben.
Neben technischen Überlegungen spielen vor allem Erkenntnisse und Entscheidungen hinsichtlich Zielgruppe und Nutzerverhalten eine große Rolle im App Projekt:
Technik
Da Browser zunehmend Fortschritte in der mobilen Ansicht erzielen, scheinen auf den ersten Blick zwischen einer mobilen Website und einer App keine großen Unterschiede zu bestehen. Derzeit bieten mobile Websites Nachteile hinsichtlich folgender technischer Funktionalitäten:
- Kein Hochladen von Bildern
- Keine Push Notifications (Benachrichtigungen)
- Keine Nutzung der Telefonfunktionalitäten
- Lange Ladezeiten
- Keine Vollbilddarstellung (immer Navigation erforderlich)
- Inkonsistente Darstellung (mehrere Website Versionen erforderlich)
Demgegenüber bieten mobile Websites den technischen Vorteil, dass sie für Suchmaschinen im Web sichtbar sind und ihre Inhalte dementsprechend gefunden werden und sie eine hohe Reichweite besitzen.
Marketing & Vertrieb
Die für die Unternehmensstrategie wichtige(re)n Prämissen sind allerdings nicht technischer, sondern inhaltlicher Natur. Apps bieten gegenüber mobilen Websites die folgenden Vorteile hinsichtlich Vermarktbarkeit und Zielgruppenansprache:
- Apps lassen sich über App Stores vermarkten und verkaufen
- Apps bieten In-App Verkaufsmöglichkeiten sowie den Kauf von Abonnements
- Apps bieten eine zu jedem Zeitpunkt konsistente Nutzererfahrung
- Apps können in der Kommunikation als Lösungen für gekapselte konkrete Services eingesetzt werden
Die einfache Antwort auf die Frage “App oder mobile Website?” lautet demnach:
Wenn Ihre Zielgruppe aus Smartphone Nutzern besteht und Sie Ihren Kunden eine konkrete Anwendung kommunizieren und an die Hand geben möchten, ist eine native App die erste Wahl. Wenn Ihre Kunden eher zu einem geringen Anteil Smartphone Nutzer sind und Sie eine Reihe von zunächst nicht näher spezifizierten Anwendungen und Funktionalitäten bereitstellen wollen, fahren Sie mit einer Web App oder einer optimierten mobilen Website gut.

Hallo Michael,
ehrlich gesagt finde den Artikel etwas zu stark contra Web und pro App. Ein paar Argumente sind nicht ganz richtig:
“Kein Hochladen von Bildern”
-> Natürlich kann ich per Browser Bilder hochladen. Teilweise kann ich sogar per Browser die Fotofunktion des Telefons ansteuern.
“Keine Nutzung der Telefonfunktionalitäten”
-> Stimmt nicht ganz. HTML ermöglicht doch Click to Call Buttons zu implementieren.
“Lange Ladezeiten”
-> Nicht zwangsläufig, ich kann in HTML5 auch Inhalte lokal cachen. (http://sixrevisions.com/web-development/html5-iphone-app/)
“Keine Vollbilddarstellung”
-> Da gibts zumindest Anleitungen (http://www.luscarpa.com/development/make-your-website-an-iphone-web-application/) aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob sich die Navigation wirklich verstecken lässt (wenn die APP auf dem Screen bookmarked wurde). Kann es grad nicht prüfen…
“Inkonsistente Darstellung (mehrere Website Versionen erforderlich)”
-> Oder man nutzt eine Software, die das automatisch an verschiedene Geräte Browserkombinationen anpasst. Apps laufen derzeit auch nur je auf einer Plattform und müssen teils ebenso an verschiedene Geräte angepasst werden.
Ich glaub für die Frage Web oder App müssen noch weitere Aspekte betrachtet werden. Zur Zeit denken m.E. eher zu viele Firmen, sie bräuchten eine eigene App. Dabei steht diese dann auf dem Gerät des Nutzers im Wettbewerb mit anderen Apps.
Eine gut gestaltete mobile Page bietet dem Nutzer ein Bookmark auf dem Gerät an – danach fällt gar nicht mehr groß auf, dass es eigentlich eine mobile Webseite ist.
Wäre ein wundervolles Thema für eine Session auf dem MobileCamp am kommenden Wochenende in Dresden: http://www.mobilecamp.de
Gruß Dirk
P.S.: Warum zeigt Euer Bild zweimal eine Webseite? Eine mobile Webseite und eine normale?
Hallo Dirk,
danke für Deinen ausführlichen Kommentar!
Zu Deinen Gegenargumenten: Workarounds wie die von Dir genannten gibt es eigentlich immer – Smartphone Nutzer können auch auf “normalen” Websites auf Ihren Phones surfen – nur ist das eben total umständlich und beschert keine positive Nutzererfahrung!
Das Ziel des Beitrags ist es, die für viele Unternehmen schwierige Entscheidung zu vereinfachen und die Hauptargumente für bzw. gegen Apps zu benennen. Da Smartphones immer noch den kleineren Anteil aller Mobiltelefone darstellen, ist das Zielgruppenargument das stärkste. Das zweitstärkste Argument ist das Ermöglichen einer markengetreuen, konsistenten Nutzererfahrung. Erst danach kommen alle möglichen technischen Aspekte.
Danke auch für die indirekte Einladung nach Dresden, der wir leider mangels Zeit nicht nachkommen können!
Zu Deinem PS: Hier ist uns tatsächlich ein Fehler unterlaufen und es wurden falsche bzw. für einen anderen Vergleich verwendete Screenshots eingefügt (die Kicker.de Website sowie ihre mobile (iPhone) Version). Ich habe das geändert. Danke für Deinen Hinweis!
Gruss, Michael
Glaub das war nicht ganz was ich meinte – aber vielleicht sehen wir uns demnächst mal auf einem der Münchner Events. Dann fachsimpeln wir mal und ich bring gleich die Neuigkeiten vom MobileCamp mit
Gern, würde mich freuen!
Hallo Michael,
nur mal als Ergänzung zum Artikel, welchen ich ehrlich gesagt auch als zu “app-lastig” empfinde:
http://m.design3000.de macht mit der WebApp einen deutlich höheren Umsatz, als es mit einer nativen App jemals möglich gewesen wäre. Grund: mobiler (SEO-)Traffic würde bei einer nativen App eine Konversion von annähernd null haben. So aber bekommt der mobile Shopbesucher eine optimierte App-Darstellung direkt im Browser.
http://www.apcp.de fährt mit einer mobilen Webseite deutlich besser als mit einer nativen App. Nicht nur die niedrigeren Initialkosten garantieren einen deutlich schnelleren, positiven ROI. Auch die Frage nach “Wie lange bleibt meine App auf dem Homescreen des Nutzers/Kunden” kann in den wenigsten Fällen mit “Lange” beantwortet werden. Der Mehrwert ist meist einfach zu gering. Da ist die Möglichkeit, sich schnell und optimiert über eine mobile Webseite zu informieren deutlich attraktiver für Kunden/Patienten.
Deshalb frage ich mich, was Du mit dem Satz “Wenn Ihre Kunden eher zu einem geringen Anteil Smartphone Nutzer sind [...] fahren Sie mit einer Web App oder einer optimierten mobilen Website gut.” ausdrücken willst. Mit meinem HTC Desire bzw. iPhone 4 bin ich extrem froh über jede mobile Webseite?!
Bzgl. Deiner Contra-WebApp Argumente:
“Lange Ladezeiten”
Sollte durch o.g. Beispiele widerlegt sein. Sobald Inhalte dynamisch nachgezogen werden, kommt es immer auf die Datenverbindung an.
“Keine Vollbilddarstellung (immer Navigation erforderlich)”
Doch, siehe Design3000-WebApp
“Inkonsistente Darstellung (mehrere Website Versionen erforderlich)”
Verstehe ich um ehrlich zu sein nicht. Müsste man bei einer nativen App nicht genau das gleiche Argument anführen?! Die Darstellung dort wird in jedem Fall auch von der (Unternehmens-)Webseite abweichen.
Bzgl. der Vorteile von nativen Apps:
“Apps lassen sich über App Stores vermarkten und verkaufen”
Prinzipiell richtig. Doch wie viel Prozent der Unternehmen, die unbedingt eine App wollen, schaffen es auch, im App Store auch nur annähernd relevant zu werden? Und, wenn sie es schaffen, wie viel Kapital ist/war dafür nötig?
“Apps bieten eine zu jedem Zeitpunkt konsistente Nutzererfahrung”
Nur bedingt richtig. Shoppingapps bspw. laden Produktdaten nicht selten dynamisch nach. “konsistent” ist hierbei durch die vorhandene Netzabdeckung beschränkt.
“Apps können in der Kommunikation als Lösungen für gekapselte konkrete Services eingesetzt werden”
Das können WebApps auch, mittlerweile dank html5 sogar ohne “konsistente” Internetverbindung. Der einzige, wirkliche Nachteil ist der beschränkte Zugriff auf interne Telefonfunktionen. Allerdings wird sich das in absehbarer Zeit auch ändern.
Viele Grüße und weiterhin viel Erfolg!
Michael
Hallo Michael,
danke für Deinen ausführlichen Kommentar, den ich aufgrund urlaubsbedingter Abwesenheit erst jetzt beantworten kann.
Das Thema Auffindbarkeit (im Web bzw. über Suchmaschinen) ist natürlich ein wichtiges und das Argument der Vorteilhaftigkeit einer Web-App gegenüber einer nativen App auch berechtigt. ((Läuft die design3000 optimierte Website derzeit?))
Auch in Deinen anderen Punkten kann ich Deine Argumente teilweise nachvollziehen. Wir (Branchenvertreter) neigen nur allzuhäufig dazu, die Dinge aus unserer (Branchen-)Brille zu sehen und nicht die Perspektive des Nutzers einzunehmen.
Es ist für den Nutzer ein signifikanter Unterscheid, ob er eine oder keine Internetverbindung benötigt. Dabei ist es meist unerheblich, ob er sie nur teilweise benötigt, oder immer. Es gibt mannigfaltige Anwendungsbeispiele, die den kompletten Verzicht auf eine Internetverbindung erfordern bzw. nahelegen.
Ebenso verhält es sich m.E. mit der Nachlade-Problematik. Bei sehr guter Internetverbindung kann es sich nur um kurze Verzögerungen handeln, aber sie sind vorhanden und werden vom Nutzer bemerkt. Ein Ergebnis wiederholter Befragungen.
Lieber als auf derlei Details einzugehen, würde ich jedoch lieber auf die grundsätzliche Aussage zu sprechen kommen: wir definieren Apps nicht als Technik. Wie wir das unseren Klienten gegenüber und auch sonst nicht müde werden zu sagen, stellen Apps für uns die technisch einfach zu erledigende Lösungen für viele tägliche Probleme dar. Welche Technologie dahintersteckt, ist dem Nutzer egal und sollte m.E. individuell anhand des jeweiligen Use Cases definiert werden.
Daher denke ich, dass wir beide – wenn auch aus unterschiedlichen Perspektiven kommen – nicht weit auseinanderliegen.
Beste Grüße und danke nochmals für Deinen Input!
Michael
[...] über “App vs Web” bzw. “Native App vs Web App” ist irrelevant, wie bereits hier ausgeführt. Auf Basis der oben dargelegten Argumentation benötigen Sie den bestmöglichen Zugang [...]
Hallo Michael,
auch uns ist dein Artikel ein bisschen zu negativ gegenüber Web-Apps. Wir haben zwei Native-Apps ihren jeweiligen Web-Apps gegenübergestellt und sind zu diesem Ergebnis gekommen:
http://jmr-media.de/web-apps-vs-native-apps/
Viele Grüße aus Düsseldorf!
[...] Husson. Der Blog Appadvisors zählt die Nachteile mobiler Webseiten in Sachen Technik und Vertrieb auf. Der Bitkom hat bei 500 Experten nachgefragt. Dabei zeigte sich eine Kluft bei den künftigen [...]